Ich hatte einen Apfelbaum

Ich hatte einen Apfelbaum, der trug so viele leckere Äpfel, dass ich sie selbst nicht alle essen konnte. Ich brauchte ein Brot, also verkaufte ich einige Äpfel, um mir ein Brot kaufen zu können.

Etwas Geld blieb übrig, also kaufte und pflanzte ich einen zweiten Apfelbaum, damit ich noch mehr Äpfel ernten kann, um mir noch mehr Dinge kaufen zu können. 

Jedes Jahr kaufte und pflanzte ich neue Bäume. Irgendwann hatte ich soviel Geld übrig, dass ich mich entschied die Äpfel nicht  mehr selbst zu pflücken, sondern Arbeiter einzustellen.

Doch dann wurden immer weniger Äpfel gekauft und mein Geld wurde weniger. Also beschloss ich die Kosten zu reduzieren. Zuerst habe ich billigere Arbeiter eingestellt und dann habe ich die meisten durch Maschinen ersetzt. Diese Maschinen habe ich genutzt um meine Bäume mit Dünger noch ertragreicher zu machen.

Schon hatte ich wieder viel Geld, doch diesmal wollte ich sicher gehen, dass ich immer viel Geld übrig hatte. Also kaufte ich alle Wiesen auf denen Apfelbäume standen. So wurde ich der Einzige der Äpfel verkauft. Seither bestimme ich wie teuer die Äpfel sind, wie sie produziert werden und wie sie schmecken.

Heute hatte ich die Idee, noch einmal selbst einen Apfel zu pflücken. Ich fuhr zu einer meiner Obstplantagen. Vorbei an Sicherheitskontrollen, Zäunen, riesigen Maschinen, geplagten Arbeitern.

Ich pflückte einen Apfel und biss hinein. Er schmeckte nach nichts. Ich sehnte mich nach dem Geschmack des Apfels, den ich einst von dem ersten Baum in meinem Garten pflückte.  Doch da, wo mein erster Apfelbaum stand, war jetzt ein großes Bürogebäude. Ich war traurig, frustriert und erschöpft.

Auf dem Weg zurück ins Büro fuhr ich dorthin, wo ich aufgewachsen war, gedanklich an den Ort und in die Zeit, in der alles noch „in Ordnung“ war. In der Arbeit anständig bezahlt wurde, in der die Umwelt noch intakt war, in der Kinder noch Kinder sein durften. Eine Zeit in der die Äpfel noch schmeckten.

Auf meinen Lippen verspürte ich plötzlich den Geschmack eines süßen, knackigen Apfels, als ich am Steuer meines Wagens wieder aus meiner Erschöpfung erwachte.

Es war nur ein Traum. Was soll ich jetzt nur tun?