Bildung oder Doping?

Warum stelle ich diese Frage, was bedeutet sie für die Art und Weise wie wir alle und unsere Kinder ausgebildet wurden und werden? Die Schule ist selten ein Ort an dem die individuellen Talente und Stärken der Heranwachsenden erkannt und gefördert werden. Das kann man nicht unbedingt dem Lehrpersonal vorwerfen. Es liegt am gesellschaftlichen System, welche eine Gleichschaltung der Ausbildung verlangt. Wir sollen das erlernen, was die Wirtschaft von uns verlangt, damit wir dem Geld- und Finanzsystem dienlich sein können. Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass in den Schulen Sprache, Mathematik, Geschichte oder Geographie gelehrt wird. Diese Elemente sind schließlich notwendig um einen sozialen und kulturellen Austausch zwischen Menschen zu ermöglichen. Fraglich ist, ob wir diesen Leistungsdruck in die Schule hineinbringen müssen, ob wir unsere Kinder mit Wettbewerbsdenken wie in der Wirtschaft und im Spitzensport  impfen müssen. Ob ein 1er-Abitur wichtiger ist als das Erlangen von sozialen und emotionalen Fähigkeiten. Ich kann die Eltern verstehen, die von Ihren Kindern schulische Höchstleistungen verlangen, damit sie  auf dem Arbeitsmarkt eine Chance bekommen und Ihre Zukunft gesichert ist. Man könnte das verantwortungsbewusst nennen. Was mir nicht in den Kopf will, ist dass wir Erwachsenen trotz unserer „großartigen“ schulischen Ausbildung, diesen Arbeitsmarkt zu einer Wettkampfstätte gemacht haben. Anstatt zu einem Platz an dem sich alle Menschen ohne Leistungsdruck austauschen und kreativ sein können. An dem sie über die Sicherung der Existenz hinaus ihre Selbstverwirklichung finden können, egal welche Talente, welche Fähigkeiten oder schulische Bildung sie haben. Wir zwingen Menschen zur Existenzsicherung in irgendeine Arbeit. Anstatt Ihnen die freie Entscheidung zu ermöglichen, ihr Talent in eine tägliche Arbeit/Beschäftigung einbringen zu können, um ihre Berufung zu finden.

Deutschland, das Land der Dichter und Denker, verkommt wie alle Industriestaaten zum Land der Konsumenten und Gewinnmaximierer. Bildung und Intelligenz wird genutzt um das Land in Sieger und Verlierer zu teilen. Einige wenige bereichern sich mit der Macht des Geldes und des Zinsen und betreiben Raubbau an den Werten unserer Gesellschaft: der Solidarität, der sozialen Gerechtigkeit und dem Frieden. Sie fordern aber gleichzeitig mehr Bildung, mehr Fleiß, mehr Leistung der gesamten Gesellschaft. Deshalb laufen wir alle wie die Hamster im Rad und werden logischerweise nie ans Ziel kommen. Weil dieses Rad weder Start noch Ziel hat. Das lässt uns alle rastlos, ungeduldig, abhängig und gleichgültig werden. Es sei denn wir springen raus. Politik, Lehrer und Eltern sind gefragt, wie lange sie in Sachen Bildung noch mitlaufen wollen und das Ihren Kindern noch antun wollen.

Gut vergleichen kann man das Phänomen mit dem Radsport. Das Sport, ähnlich wie die geistige Erziehung, gesund ist und sozialen Charakter hat, ist unbestritten. Auf dem Rad zu sitzen und neben der Bewegung seine Leistungsgrenzen zu finden, dem kann ich aus persönlicher Erfahrung vieles abgewinnen. Ich stelle mir jedoch die Frage warum wir als Menschen immer darüber hinausgehen möchten? Über die Grenze des gesunden Menschenverstandes, in dem wir beispielsweise im Profiradsport zu Doping greifen. Dies mit der Konsequenz, dass irgendwann alle zu Dopingmitteln greifen müssen, um noch teilnehmen oder mithalten zu können. Das ist und macht krank. Leider sind unser Bildungssystem und der daran anschließende Arbeitsmarkt genau so strukturiert. Wir „dopen“ unsere Kinder, damit sie über ihre Grenzen hinausgehen können. Damit sie die Konkurrenz abschütteln können und als angebliche Sieger durchs Leben gehen können. Ein fragwürdiger Sieg bei all den Konsequenzen, die das für unsere Kinder, die Familien und deren Gesundheit langfristig hat.

Es ist an der Zeit die Gesellschaft aus dem Wachstumszwang zu befreien, damit die Wirtschaft, das Geld, die Menschen, alle Lebewesen und der Planet im gesunden Verhältnis zu einander weiter existieren kann. Alles andere bedroht den Frieden in unserer Welt.(E.K.23.07.2014)