Christlich-sozial oder a-sozial?

Auf der Suche nach den Definitionen dieser beiden Begriffe habe ich folgendes gefunden:

Als christlich-sozial bezeichnet man eine politische Einstellung, die auf christlicher Weltanschauung und sozialen Wertvorstellungen beruht.

Als a-sozial bezeichnet man ein von der geforderten oder anerkannten gesellschaftlichen Norm abweichendes Individualverhalten: Ein Individuum vollzieht seine persönlichen Handlungen, ohne die geltenden gesellschaftlichen Normen und die Interessen anderer Menschen zu berücksichtigen. Als „Asoziale“ werden insbesondere Bettler, Landstreicher, Obdachlose, Prostituierte, Zuhälter, Fürsorgeempfänger, Suchtkranke (z. B. Alkoholiker), Zigeuner und andere Unangepasste bezeichnet.

Soweit nichts Neues. Dann habe ich mir diese "politische Einstellung mit christlicher Weltanschauung" mal angeschaut. Wo kann man dies besser, als beim offiziellen Leitbild der CSU.

Dieses lautet: „Ausgehend vom christlichen Menschenbild, setzen wir auf Eigenverantwortung und Solidarität. Dazu gehören für uns die Verantwortung vor Gott und die Liebe zu den Menschen, der Schutz des Lebens, die Verantwortung für die Zukunft, Nachhaltigkeit, Generationengerechtigkeit, kultureller Zusammenhalt und Patriotismus. Unser Leitbild für eine vitale und gerechte Gesellschaft ist die Solidarische Leistungsgesellschaft. Die Solidarische Leistungsgesellschaft ist eine an das christliche Menschenbild gebundene, wertorientierte Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, mit der wir die Voraussetzungen für ein eigenverantwortliches Leben und eine gerechte Teilhabe aller am Fortschritt schaffen.“ Quelle www.csu.de

Hört sich gut an, das Leitbild der CDU ist übrigens ähnlich. Doch wo ist die Verantwortung für die Zukunft, die Nachhaltigkeit und die Generationengerechtigkeit im politischen Handeln? Wo ist die wertorientierte und gerechte Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung. Wo sind die Solidarität und die gerechte Teilhabe? Vom ganzen Leitbild bleibt in der Realität genau ein Wort übrig: Leistungsgesellschaft.

Stellt sich für mich die Frage, ob wir asozial noch mal neu definieren müssen, um zu sehen welches „abweichende Individualverhalten, die Interessen anderer Menschen nicht berücksichtigt“.

Dann sind doch eher Börsenmakler, Spekulanten und Banker asozial. Sie verdienen ihr Geld mit Geld, das Ihnen gar nicht gehört und das auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung. Dann sind Politiker asozial, die dieses ungerechte Geld- und Wirtschaftssystem mit ihren Entscheidungen tragen. Denn dieses Geld- und Wirtschaftssystem lässt alle gutgemeinten und notwendigen Absichten im Leitbild zu leeren Worthülsen verkommen. Es hebelt die christlichen Werte aus, die uns in den 10 Geboten als Grundlage für das Zusammenleben in der Gesellschaft von Gott aufgetragen wurden.

Christlich-sozial oder a-sozial, Frau Merkel, Herr Seehofer und Herr Junker?

E.K. 11.10.2014