Diskretionsabstand

Heute Nachmittag war ich bei der Post um ein Paket aufzugeben. Nachdem ich den Paketschein ausgefüllt hatte, stellte ich mich an die auf dem Boden markierte Linie, unter der das Wort „Diskretionsabstand“ steht. Doch der eingehaltene Abstand konnte nicht dafür sorgen, dem Gespräch zu entgegen, welches eine Kundin mit der Postmitarbeiterin führte. Beide schienen sich persönlich zu kennen. Auf jeden Fall brachte diese Kundin 2000,- Euro zur Einzahlung mit. Sie gab offen zu, dass sie dieses Geld bei einer anderen Bank abgehoben hat, weil es bei der Postbank höhere Zinsen und eine Prämie gibt. Als die Postmitarbeiterin, dann sagte, dass sie nur 1500,- Euro pro Tag einzahlen darf, fügte die Kundin noch folgenden Satz hinzu: „Am besten legt man sein Geld unters Kopfkissen, wenn man eh doch nix mehr dafür kriegt“. Mit „nix“ meinte sie sicherlich die Zinsen. Denn für Geld kriegt man ja das wozu Geld ursprünglich erfunden wurde, nämlich Waren und Dienstleistungen, deren Angebot und Nachfrage unsere Wirtschaft am Laufen hält.

Was die Kundin scheinbar nicht weiß, ist das Zinsen unsere Wirtschaft ins Stocken bringen und letztendlich nur 2% der Menschen von Zinsen profitieren. In diesem Moment habe ich mich gefragt, wie kann ich ihr in zwei Sätzen erklären, dass jede Einzahlung in eine zinsbringende Anlage, sei es ein Sparbuch, eine Lebensversicherung oder eine Aktie unterm Strich zu ihrem Nachteil und zum Nachteil von 98% der Menschheit ist. Obwohl man vordergründig glaubt etwas zusätzliches Geld am Ende des Jahres in Form von Zinsen zu erhalten. Eine geniale Manipulation. Da wo sonst Experten und Wissenschaft gefragt sind, wird beim Thema Geld die Mathematik völlig ignoriert. Es sei denn Milchmädchenrechnungen zählen auch zur wissenschaftlichen Argumentation.

Durch die Einführung von Zinsen stecken aktuell in allen Produkten und Dienstleistungen durchschnittlich 35% Zinsen (Tendenz steigend). Das bedeutet JEDER zahlt Zinsen, auch ohne wirkliche Schulden zu haben. Wir freuen uns alle seit jeher in der ersten Januarwoche über ein paar Zinsen auf unserem Sparbuch. Keiner ärgert sich über 35% Zinsen in jedem Produkt. Ich hoffe das kommt daher, dass die meisten es einfach nicht wissen. Vielleicht kommt es auch von der alten Redewendung: „Über Geld spricht man nicht, Geld hat man“. Beides kann man ändern.

Falls Sie also auch mal die Gelegenheit haben ein solches, alltägliches Gespräch mit zu erleben, weisen Sie doch mal auf diese Tatsachen hin. Aber Vorsicht, halten Sie den Diskretionsabstand ein. (E.K.03.12.2014)