Es waren einmal ...

… zwei Dörfer, getrennt durch einen Fluss. Damit sich die Bewohner der Dörfer dennoch treffen konnten, wurde aus Steuergeldern eine Brücke gebaut. Da jetzt viele Menschen die Brücke nutzen um ins andere Dorf zu gelangen, witterten die Verantwortlichen der Dörfer eine lukrative Einnahmenquelle, in dem Sie von jedem, der die Brücke überschreiten wollte eine Nutzungsgebühr (Maut) verlangten. Dazu wurde ein Kassierer eingestellt. Da die Brücke 24 Stunden an jedem Tag passiert werden konnte, brauchte man 3 Kassierer. Um sicher zu stellen, dass die Kassierer nicht in die eigene Tasche wirtschaften, wurden ein Kontrollbeamter und ein Buchhalter engagiert. Bei fünf Angestellten wurde nun ein Personalleiter notwendig. Da die Einnahmen in beide Dörfer fließen sollten, wurde ein Verwaltungsrat aus Vertretern beider Dörfer eingerichtet, je ein Mann und eine Frau pro Dorf. Um bei Entscheidungen einer Stimmengleichheit zu entgehen, brauchte es eines 5ten Vorstandsmitgliedes.

Nach einiger Zeit stellte man fest, dass die Brücke baufällig wurde. Keiner hatte daran gedacht, einen Unterhaltsarbeiter einzustellen. Im Grunde die einzige Person, die man gebraucht hätte um sicher zu stellen, dass die Brücke hält und die wichtigste Funktion erfüllt ist, nämlich, die dass die Bewohner der Dörfer sich besuchen konnten.

Stattdessen sechs Angestellte und ein fünfköpfiger Verwaltungsrat mit enormen Kosten. Doch von Einsicht keine Spur, der Verwaltungsrat sah nur, dass die Einnahmen aus der Brückennutzung gefährdet waren und kam schließlich auf die grandiose Idee die baufällige Brücke an einen privaten Investor zu verkaufen, der diese in Stand setzen soll, um die gut bezahlten Posten zu sichern. Dass jetzt für die Brücke eine Miete fällig wurde, und die Gesamtkosten irgendwann die Einnahmen aus der Maut übersteigen würden, war für den Rat kurzfristig uninteressant. Durch den Verkauf gab es ja für die Dörfer eine fette Direkteinnahme. Wenn die Einnahmen aus der Maut eines Tages nicht mehr reichen sollten, könnte man diese erhöhen oder andere, neue Steuern erheben um die Kosten zu bezahlen.

Man stellte sich nie die Frage, ob die Bewohner, die steigende Maut noch mit ihrem Lohn bezahlen können. Vielleicht dachte man auch, dass dann eben nur die, die es sich leisten können über die Brücke gehen würden. Egal, das klappt schon irgendwie! Nie hat man sich die Frage gestellt, was passiert, wenn keiner mehr über die Brücke geht!

Bis zum dem Tag als es soweit war und sich keiner mehr leisten konnte die Brücke zu passieren. Jetzt waren für die Dörfer keine Einnahmen mehr da, was blieb waren Mietforderungen des Investors für eine Brücke, die aus Geldmangel nicht mehr passiert werden konnte. Mit der jetzt „gesperrten Brücke“ verschwanden die sozialen Kontakte zwischen den Dörfern, doch die Schulden blieben!

Diesen Text habe ich 2013 geschrieben und heute wird nach dem Prinzip dieser erfundenen Geschichte die PKW-Maut in Deutschland eingeführt und sie wird früher oder später die gleichen Konsequenzen wie in der Geschichte haben. Es ist Zeit sich aus der Zwickmühle zu befreien.