Lustig lustig tralalala

So beginnt ein allbekanntes Lied über den Nikolaus, den wir in gut einem Monat wieder feiern. Als ich jedoch in der vergangenen Woche einen Radiobericht über den Streik bei der Bahn hörte, kam mir spontan diese Melodie in den Kopf. Wahrscheinlich weil diese Art Meldungen nur noch mit Ironie aufzunehmen sind. Da hieß es doch tatsächlich: „Sollte der Streik der Lokführer einen Tag länger dauern, ist der Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet“. Der Exportweltmeister, der dem Rest Europas, von oben herab, diktiert was er zu tun hat, um aus der Krise zu kommen, ist also mit einem Streik von mehr als 2 Tagen in Gefahr. Ein Land, das seit 1945 seine Produktivität um das 8-fache gesteigert hat, das in dieser Zeit, bis auf einige Ausnahmen immer Wirtschaftswachstum hatte, ist gefährdet wenn in einem Sektor, wie zum Beispiel bei der Bahn, nicht alle arbeiten, sondern streiken.

Ich frage mich wo ist das ganze Geld dieser Produktivität, dieses Wirtschaftswachstums und wo kommen gleichzeitig die ganzen Schulden her, die jedes Jahr mit Steuergeldern bedient werden müssen. Die Lokführer haben dieses Geld jedenfalls nicht. Auch die Arbeitslosen, Schüler oder Rentner haben es nicht.

Vielleicht fragen wir am 6. Dezember mal den Nikolaus, denn wir hier auf der Erde scheinen den Überblick verloren zu haben.  Folgende Feststellung könnte helfen: In jedem Produkt, dass wir kaufen stecken durchschnittlich 35% Zinsen, also 35% mehr als das Produkt eigentlich wert. Allem, was wir mit unserer Produktivität erwirtschaften, werden 35% entzogen.

Ein Streik gefährdet also nicht den Wirtschaftsstandort Deutschland und unseren Wohlstand. Unsere Gesellschaft ist insgesamt in Gefahr weil  wir alle versuchen, mit Geld anstatt mit ehrlicher Arbeit neues Geld zu verdienen. Wir legen Geld an! Was heißt das eigentlich? Es bedeutet verkürzt: wir lassen andere für uns arbeiten. Denn Geldscheine, Lebensversicherungen, Rentensparen, Aktien können nicht arbeiten. Es sind Menschen und Maschinen die Arbeit verrichten. Nur aus Arbeit kann Geld entstehen.

Das größte Vermögen jedoch, liegt bei denen die andere für sich arbeiten lassen. Sie lassen Menschen für sich arbeiten, die sie persönlich nicht einmal kennen. Menschen die noch nicht mal auf deren Gehaltsliste stehen. Es geht also nicht um den Unternehmer der Mitarbeiter hat, diese für sich arbeiten lässt und ihnen am Ende des Monats ihren Lohn zahlt, wie bei der Bahn.

Ich überzeugt, dass wir alle für jemanden arbeiten, den wir nicht kennen und der uns nicht kennt. Doch er bekommt unser Geld. Obwohl wir dort nicht angestellt sind, dort keine Ware kaufen oder eine Dienstleistung nachfragen. Es ist sogar möglich, dass ein Mensch, an den Sie in diesem Augenblick denken und der Ihnen, so denken Sie, mit Sicherheit kein Geld schuldet, ihnen trotzdem Geld zahlt, ohne dass sie beide davon wissen. Beispiel: Sie zahlen in  eine Lebensversicherung ein, die wiederum investiert ihr Geld in den Betrieb, wo der Mensch an den Sie gedacht haben beschäftigt ist.

Etwas seltsam, aber im Grunde genommen nicht dramatisch, würde diese systematische Umschichtung durch den Zinsmechanismus nicht dafür sorgen, dass zurzeit  nur noch 2 Prozent der Menschheit von einem Zinssystem profitieren (Tendenz sinkend). Alle anderen (98%) haben immer weniger Geld, egal wieviel Geld sie auch anlegen. Die Schere zwischen Arm und Reich geht also weiter auseinander. Jedoch nicht weil es uns an Bildung, Fleiß und Disziplin fehlt, sondern weil uns das 7te und 10te Gebot nicht mehr geläufig ist. Jeder einzelne von uns ist in der Verantwortung zu handeln und bald ist Nikolausabend wieder da! (E.K. 27.10.2014)