Menschen statt Maschinen

Nichts scheint in Deutschland wichtiger zu sein, als ein eigener Pkw. Wir geben im Durchschnitt 1/6 unseres Einkommens für das Auto aus. In unserem Land hat jede Familie im Durchschnitt mehr Autos als Kinder. Damit wir uns mit unserem Fahrzeug fortbewegen können, werden wir zu Sklaven der Tankstellen, Ölkonzerne und der Ölquellenbesitzer. Die Möglichkeit mit dem Auto unterwegs sein zu können ist wichtiger als die Umwelt zu schützen und für kommende Generationen zu erhalten. Jedenfalls ist die Empörung über eine Preiserhöhung beim Benzin höher als die Tatsache, dass irgendwo tausende Atommüllfässer in einem Salzbergwerk verrotten.

Täglich sind hunderttausende Menschen auf unseren Autobahnen alleine in Ihrem Fahrzeug unterwegs und verursachen kilometerlange Staus. Die Investitionen in immer neue Straßen und zusätzliche Fahrbahnen übersteigen jedes Jahr die Ausgaben, die eigentlich dem Menschen dienen, wie zum Beispiel für den Bau von Kitas.

Ich denke, dass das Auto zur heiligen Kuh geworden ist, die unserer Wirtschaft scheinbar unendliches Wachstum beschert. Wenn man genau hinschaut, ist in den letzten Jahrzehnten der Automobil- und der Ölindustrie sehr viel untergeordnet worden.

Unterdrückt wurde die Entwicklung von alternativen Antriebssystemen und somit der Umweltschutz. Untergeordnet wurden auch die Arbeitsbedingungen für die Menschen, die diese Fahrzeuge herstellen. Zuerst wurden die Arbeiter durch Maschinen ersetzt. Dann wurden die noch verbliebenen Arbeitsplätze rund um den Globus verschoben, immer dorthin wo Subventionen zu erwarten oder geringere Löhne zu zahlen waren.

Nach dem Rückgang bzw. dem Stillstand des Wachstums auf dem europäischen und amerikanischen Automobilmarkt hat die Autoindustrie, durch politische Einflussnahme, dafür gesorgt, dass andere Märkte für den Verkauf von deutschen Autos erschlossen werden konnten. Internationale Abkommen ließen die Zölle und Einfuhrbestimmungen für deutsche Autos und Maschinen beispielsweise in Asien sinken. Im Gegenzug wird Europa nun, mit ebenfalls gesenkten Zöllen, von Textilien und Billigprodukten aus Asien überflutet. Dies bedeutet, dass dem Wohl der Autoindustrie fast alle anderen Branchen in Deutschland geopfert wurden. Die Auswirkungen sind gravierend.

Die Welt ist zur globalisierten Wettkampfstätte mutiert, in der täglich Sieger aber eben viele Verlierer den Platz verlassen müssen. Den Platz im Betrieb, den Platz in der Gesellschaft, den Platz in Frieden und Freiheit, den Platz in einem guten Gesundheitszustand, den Platz im Leben. Hauptsache unser Auto ist blitze blank geputzt, gut versichert, poliert unser eigenes Image auf und es lässt die „Wachstummaschinerie“ weiterdrehen, auch wenn sie niemals der automatischen Vermehrung von Geldvermögen durch Zinsen nachkommen kann.

Es ist mir unerklärlich warum wir weiterhin die Arbeitsleistung der Menschen so hoch besteuern, anstatt die Tatsache zu besteuern ein Auto, eine Maschine zu besitzen oder zu nutzen. Warum steht über dem Bundestag dann eigentlich: „Dem deutschen Volke“. Es müsste dann doch heißen: „Dem deutschen Auto“. Oder noch besser: „Den Aktionären der deutschen Autohersteller“.

Sind wir so dumm bzw. konsumorientiert, dass uns ein Auto wichtiger ist, als das eigene Wohl, das unserer Kinder und Familien. Der Verkauf von Verbrennungsmotoren ist wichtiger als der Frieden auf dieser Welt. Alle Kriege die wir führen, dienen letztendlich der Sicherung von Rohstoffen, größtenteils dem Rohstoff Öl.

Vielleicht denken Sie beim nächsten Mal, wenn Sie an der Tankstelle vorfahren, an diesen Text. Dann werden Sie genau wie ich feststellen, dass wir in der Zwickmühle sitzen. „Ich muss doch irgendwie zur Arbeit und da muss ich halt tanken“, werden Sie mir entgegen rufen. Und das obwohl dafür beispielsweise irgendwo in Kenia Menschen und Natur im Öl verrecken. Obwohl wir demnächst auch in Europa, über „Wracking“ mit Chemikalien, Öl aus der Erde pressen müssen.

Wo sind die Politiker, die diesem Treiben endlich ein Ende setzen. Die Politiker, die die Autoindustrie verpflichten schnellstmöglich Motoren mit erneuerbaren Energien einzusetzen und Verbrennungsmotoren höher besteuern als die Arbeitsleistung von Menschen.

Wo sind die Menschen, die ihr Auto oder Motorrad nicht für Spazierfahrten am Sonntag nutzen, sondern nur so oft wie nötig. Wann kommt die Zeit in der der Mensch wieder die Maschinen beherrscht und nicht umgekehrt. (E.K. 01.05.2014)