Wieviel ist ein Menschenleben wert?

Vor einigen Wochen verunglückte ein Höhlenforscher. Tagelang wurde in allen Medien darüber berichtet. Vorort waren Kamerateams aus zahlreichen Ländern. Letztendlich konnte der Verunglückte mit Hilfe von 728 Helfern aus 5 verschiedenen Ländern gerettet werden.  Anfang des Jahres lag der berühmteste deutsche F1-Fahrer nach einem Skiunfall im Koma und sorgte für ähnliche mediale Aufmerksamkeit. Jetzt wird an der italienischen Küste ein havariertes Schiff abgeschleppt, die Kosten dafür sollen bei 1,5 Milliarden Euro liegen. 32 Menschen sind damals bei dem Unglück ums Leben gekommen.  Zugegeben allesamt menschliche Tragödien. Aber wo liegt der Unterschied zwischen diesen Menschen und den täglich an Hunger sterbenden Menschen auf der Welt. Sind deren Schicksale nicht spektakulär genug? Kann man die Informationen und Bilder dazu nicht gewinnbringend genug verkaufen? Ich habe den Eindruck, dass das Leben des Höhlenforschers, des F1-Stars oder der 32 Toten auf dem Kreuzfahrtschiff wichtiger ist als das Leben von Menschen, welches man mit einer einfachen Impfung oder einer täglichen Schüssel Reis retten könnte.Meine Kritik gilt nicht den Betroffenen, ich wünsche Ihnen beste Gesundheit.

Es ist die „Wirtschaftswachstumsindustrie“, die unser Geld- und Zinssystem mit immer neuen Produkte und Dienstleistungen befeuern muss, damit wir der automatischen Vermehrung von Geld durch Zinsen hinterher kommen können. Wenn echte Produkte wie Lebensmittel, Autos oder Klamotten nicht mehr ausreichend verkauft werden, ist die Gesellschaft gezwungen künstliche Produkte zu verkaufen, egal wie hoch die moralische Hemmschwelle ist. 

In diesem Beispiel wird das Schicksal von Menschen als Produkt verkauft. Es scheint egal zu sein ob tot oder lebendig, Hauptsache die Story ist gut und lässt sich verkaufen. Ein Bild vom Krankenbett des Höhlenforschers, die Krankenakte des F1-Stars oder Geschichten über die Herkunft der 32 toten Passagiere oder die komplizierte Bergung des Schiffs. Und wie bei jedem Produkt, lässt sich nur das verkaufen was unsere Bedürfnisse oder Sensationslust befriedigt. Wir wollen sehen wie eine Rettung gelingt, wie unser Liebling die „Kurve“ kriegt. Trotz der 32 toten Passagiere sind jetzt alle stolz auf die Ingenieursleistung, die dass Schiff wieder aufgerichtet hat und transportfähig macht. Als könnte das den Tod von Menschen irgendwie ausgleichen.

Schlussfolgernd stelle ich also fest, dass Menschen auf dieser Welt nicht verhungern, weil wir zu wenig Geld oder Lebensmittel haben, sondern weil es für uns wirtschaftlich uninteressant ist ihnen zu helfen. Welche Heuchelei, hier zu Lande Politiker als Entwicklungshilfeminister zu berufen, wenn die Verhältnisse so klar sind.